… sondern zu wissen, wo unsere Grenzen liegen.
Der Mensch kann viel leisten. Und in Krisensituationen zeigt sich oft erst wie viel wirklich. Wenn ein naher Verwandter erkrankt und man mal „kurz“ für drei Monate die Kinder aufnimmt. Wenn ein Fluss über die Grenzen steigt und das neue Eigenheim unter Wasser setzt. Wenn man als Erster zu einem Unfall kommt und erste Hilfe leistet. Schnell sind Andere da und klatschen begeistert Beifall. Hinterher ist man völlig fertig, braucht Zeit um zu verarbeiten. Aber Dank der Hilfe, die man meist bekommt, steht man wieder auf und hat etwas geschafft.
Aber wie ist das im Alltag? Jeder hat sein Päckchen zu tragen, jeder findet sich im Alltag ab und zu in einer Krisensituation. Keiner steht an der Seite und klatscht begeistert Beifall wenn man mal wieder sechs Maschinen Wäsche gewaschen hat, wenn das Klo blinkt und blitzt, die Kehrwoche gemacht ist. Das Schlimme ist, der Alltag macht oft einfach keinen Spaß, auch persönlich ist es kein erhebendes Gefühl die Mülleimer auszuwaschen. Es gibt viele Dinge die sehr viel mehr Spaß machen. Und die Anerkennung bringen, Anerkennung die erfüllt. Die Welt herum scheint sowieso viel zu schnell und wenn man eine Lücke für sich gefunden hat, in der man sein Können beweisen kann, ist das sehr angenehm.
Leider wird der Alltag dadurch nicht weniger und erst recht nicht einfacher. Alles, auch wenn es noch so Spaß macht, kommt immer zusätzlich zum Tagesgeschäft. Lässt sich das Angehme integrieren oder mit dem Nützlichen verbinden, hat man kein Problem. Was aber tut man, wenn man eigentlich keine Zeit hat, keine Ressourcen frei sind?
Man läuft und läuft und läuft und kommt nicht vom Fleck, denn immer wieder ist es der Alltag der schreit. Beim Gang aufs Klo stolpert man über einen Wäscheberg, der Abgabetermin für ein Projekt steht auf einmal rot im Kalender, plötzlicher Schneefall raubt einem eine wichtige Stunde Schlaf. Es bleibt keine Zeit – Zeit für sich selbst, Zeit um Kraft zu tanken, Zeit sich umzusehen, ob man vielleicht falsch abgebogen ist auf seinem Weg. Irgendwann sind es die Dinge, die uns bestimmen, nicht wir bestimmen den Lauf der Dinge. Nichts scheint mehr zu laufen, wie es soll – mehr noch: Wissen wir dann noch was soll? Was muss denn gleich nochmal sein? Und auch das was eigentlich reiner Spaß war, wird zur Verpflichtung, denn wir wollen ja weiterhin zeigen was wir können.
Alles was dann noch hilft ist stehenbleiben und loslassen. Dann sollten wir 5 m zurückgehen und uns mit Abstand anschauen, was dort auf dem Boden liegt. Eins nach dem anderen ansehen, einzeln betrachten und uns fragen, ob wir dieses oder jenes wirklich wollen, wirklich brauchen. Vielleicht stellen wir dann fest, das es nicht erhebend ist, den Mülleimer auszuwaschen, aber erhebend, wenn wir fertig sind, wenn der Alltag stimmt und läuft. Dann, am Ende des „muss“ ist Zeit übrig. Zeit für uns, Zeit für Spaß und Anerkennung. Diese Zeit können wir genießen. Richtig eingeteilt, bleibt der Alltag am laufen. Wir erlangen einen Zustand der Zufriedenheit. Diese Zufriedenheit macht attraktiv, Attraktivität bringt Anerkennung.
Zweifler mögen an dieser Stelle sagen, es gibt Zwänge, die wir nicht ablegen können. Es gibt Grenzen materieller Natur, die uns einschränken und es fehlt die Zeit für mehr Geld zu sorgen. Es könne keine Unbeschwertheit aufkommen, wenn die Beschränkungen von außen zu groß sind. Ich kann nur sagen: Ja, so scheint es oft.
Doch es gibt ein Buch, das sich in 101 Tipps beschäftigt, wie man sich einfach von diesen Zwängen befreit, mit Einschränkungen umzugehen lernt: Coach dich selbst, sonst coacht dich keiner: 101 Tipps zur Verwirklichung Ihrer beruflichen und privaten Ziele von Talane Miedaner und Susanne Helker. Ich habe es verschlungen und das mehrmals. Es hat mir geholfen und hilft mir noch mich zu entscheiden, wenn ich mal wieder die Maschine vor lauter Wäsche nicht sehe.
Daher ist es nicht wichtig alles was man kann auch zu tun, sondern zu wissen, wo die eigenen Grenzen liegen. Nur dann kann man, was man kann, auch zeigen.
Wer kennt sowas nicht: manchmal gibt es einfach keine freien Ressourcen mehr. Und was macht man? Ich versuche alles so zeitig wie möglich fertig zustellen. Geht aber nicht immer. Naja und dann gibt es natürlich auch die stressigen Zeiten, aber die sind auch irgendwann wieder vorbei und man kann wieder gewohnt seinen Gang gehen…
Von: vrenchen am März 19, 2009
um 1:44