Verfasst von: ekirlu | Januar 11, 2009

Ich bin nicht tolerant… ich meine das wirklich so!

Folgende Situation: Ich habe mich mit einer Freundin am Telefon darüber unterhalten, wann sie denn zu mir kommt. Sie meinte, sie könne sich nicht entscheiden. Verlockend seien sowohl Sofa als auch meine Gegenwart…

Darauf ich: “Komm doch einfach vorbei, wenn Du soweit bist!”

Sie: “Wow, sind wir heute tolerant!”

Ich: “Ich bin nicht tolerant… ich meine das wirklich so!”

Wir haben erstmal lachend unterm Tisch gelegen, aber im Anschluss habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was Toleranz für mich eigentlich bedeutet…

Ich kenne den Unterschied zwischen starker und schwacher Toleranz…

Schwache Toleranz ist: Leben und leben lassen, ohne sich wirklich mit der Position des Anderen auseinanderzusetzen, also auch ohne über die Beweggründe nachzudenken, die das Handeln des Anderen hat.

Starke Toleranz ist nicht einfach Leben und leben lassen. Es bedeutet sich aktiv mit dem Anderen auseinanderzusetzen und auch in Dialog zu treten. Dazu gehört die Position des Anderen verstehen zu wollen.

In beiden Fällen ist es doch aber so, dass das Leben des Anderen oder zu mindest das was er tut, nicht mit dem übereinstimmt, was ich in meinem Leben will. Tolerant sein ist doch, das ich zulasse, wie der Andere ist, obwohl es mir lieber wäre, er täte etwas nicht, oder auf andere Art…

D.h. am konkreten Beispiel: Tolerant wäre es von mir gewesen, hätte ich toleriert, also hingenommen, dass sie später kommt, obwohl es mir lieber gewesen wäre, sie hätte sich sofort auf den Weg gemacht! Ich habe ihr aber die Stunden auf ihrem Sofa von Herzen gegönnt.

Daher: Ich war nicht tolerant… ich meinte das wirklich so!

Was ist Toleranz für Euch? Toleriert Ihr meine Meinung oder stimmt Ihr zu?


Antworten

  1. Ich habe diese Aspekte immer im Unterschied zwischen “tolerieren” und “akzeptieren” gesehen – ist Akzeptanz die von Ihnen beschriebene starke Toleranz?

  2. Nachtrag: Toleranz hat der Urbedeutung nach den Sinn von “hinnehmen” oder “ertragen”. Daher:

    Ich ertrage diese Dinge nicht, sondern meine meine Angebote so wie ich sie sage. Ohne Hintergedanken oder zurückgehaltenem Groll.

  3. Niemand ist ihm Besitz der absoluten Wahrheit, auch ich nicht, dass
    heißt aber nicht das ich Tolerant sein muss, gegenüber
    denjenigen die der Überzeugung sind, etwas richtiges
    zutun.

    Hitler, Stalin,Pol Pot,heilige Inquisition,
    Ahmadinedschad handelten aus Überzeugung etwas
    richtiges zu tun.

    Nein ich bin nicht Tolerant.

  4. Nun – ich bin nicht unbedingt tolerant. Es gibt Dinge, die kann ich nicht ertragen, die kann ich nicht hinnehmen.

    Gegen diese Dinge gehe ich dann auf die Straße, egangiere mich für Verbesserung oder Veränderung.

    Und wenn ich anbiete auf etwas zu verzichten oder jemenden zu helfen, dann tue ich das nicht aus Toleranz, sondern aus Überzeugung.

    Es gibt wenige Dinge, die ich toleriere: Lebenseinstellungen anderer, die ich zwar nicht gut heißen kann, aber die auch keinem aktiv schaden (Keine aktive Teilnahme am Bildungsstreik – dahinter verbirgt sich die Einstellung: “Ich finde gut was ihr tut – aber mitmachen werde ich nicht.” Das ist eine Einstellung die ich toleriere. Oftmals hilft alles argumentieren nicht.) Da kann ich nichts tun – ich verstehe es nicht – kann es nicht ändern – kann nicht demonstrieren. Das toleriere ich dann.


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